Freunde finden: welcher Weg zu dir passt
Erwachsene finden Freunde vor allem dort, wo sie dieselben Menschen regelmäßig in ihrer Freizeit wiedersehen: im Verein, im Ehrenamt, in Kursen mit festem Teilnehmerkreis, in der Nachbarschaft. Veranstaltungen und Apps sind gut für den ersten Kontakt. Diese Seite ordnet die Wege ein und zeigt, welcher zu deiner Lage passt.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Wo du jemanden triffst, zählt weniger als die Frage, ob du ihn wiedersiehst. Ein fester Wochentermin bringt mehr als viele einzelne Veranstaltungen
- Zufällige Nähe wirkt lange nach: Studierende, die am ersten Tag per Los nebeneinander saßen, waren ein Jahr später enger befreundet als andere
- Gemeinsame Freizeit geht mit mehr Nähe einher, gemeinsame Arbeitszeit nicht
- Apps und offene Treffen liefern den ersten Kontakt. Die Wiederholung musst du dort selbst organisieren
Wo Freundschaften im Erwachsenenalter entstehen
Freundschaften entstehen dort, wo sich Menschen ohne großen Aufwand immer wieder begegnen. Das klingt banal, hat aber eine unbequeme Folge: Die Umgebung entscheidet mehr darüber, mit wem du befreundet sein wirst, als die meisten vermuten würden.
Mitja Back, Stefan Schmukle und Boris Egloff haben das 2008 an der Universität Leipzig mit einem einfachen Versuch gezeigt. 54 Erstsemester bekamen bei ihrer Einführungsveranstaltung per Zufall Sitzplätze zugewiesen. Ein Jahr später gaben diejenigen, die damals nebeneinander gesessen hatten, eine engere Freundschaft zueinander an. Das galt auch für Personen, die nur in derselben Reihe gesessen hatten. Die Stichprobe war klein und bestand aus Studierenden, die sich danach ohnehin im selben Studiengang wiedersahen. Übertragen lässt sich deshalb vor allem der Grundgedanke: Wer anfangs nah dran ist, hat einen Vorsprung.
Jeffrey Hall hat 2018 in einer Befragung von 355 Erwachsenen, die in den sechs Monaten davor umgezogen waren, erhoben, womit sie ihre Zeit mit neuen Bekannten verbracht hatten. Gemeinsame Freizeit ging mit größerer Nähe einher, gemeinsame Arbeits- oder Unterrichtszeit nicht. Die Befragung zeigt einen Zusammenhang, keinen Beweis für eine Ursache. Als Richtschnur für die Wahl eines Umfelds taugt sie trotzdem: Es sollte in deiner freien Zeit stattfinden, sich von selbst wiederholen und nicht weit weg sein. Wie viele Stunden es bis zur Freundschaft ungefähr braucht, steht unter Wie lange dauert es, eine Freundschaft aufzubauen?
Die wichtigsten Wege und was sie leisten
Jeder der folgenden Wege hat eine Stärke und einen typischen Haken. Hilfreich ist, alle an derselben Frage zu messen: Begegne ich hier denselben Menschen wieder, ohne dass ich es jedes Mal selbst organisieren muss?
Vereine, Sportgruppen und Chöre
Hier ist die Wiederholung eingebaut. Du kommst jede Woche zur selben Zeit, triffst weitgehend dieselben Leute und hast mit dem Training oder der Probe einen Anlass, der das Gespräch trägt, bis es von selbst läuft. Der Haken liegt im Einstieg: Bestehende Gruppen haben ihre Gewohnheiten, und in den ersten Wochen fühlt man sich eher als Gast. Naheliegend ist, Formate zu wählen, in denen man zusammen spielt oder singt, statt solcher, in denen jede für sich trainiert.
Ehrenamt mit festem Team
Ein Ehrenamt verbindet Wiederholung mit einer gemeinsamen Aufgabe, und über eine Aufgabe kommt man leichter ins Gespräch als über Smalltalk. Entscheidend ist die Form. Eine feste Schicht, etwa jede Woche bei derselben Essensausgabe oder im selben Nachbarschaftsprojekt, bringt dich regelmäßig mit denselben Menschen zusammen. Einmalige Einsätze an Aktionstagen leisten das nicht. Freiwilligenagenturen gibt es in vielen Städten, dort kannst du gezielt nach Engagements mit festem Team fragen.
Kurse über mehrere Wochen
Volkshochschul-, Sprach-, Koch- oder Tanzkurse sind der unverbindlichste Weg in eine feste Gruppe. Ihr Haken ist das eingebaute Ende: Nach acht oder zehn Terminen löst sich die Gruppe auf, und wer bis dahin niemanden auf einen Kaffee nach dem Kurs gefragt hat, steht wieder am Anfang. In Halls Befragung hing Unterrichtszeit allein nicht mit mehr Nähe zusammen. Was zählt, passiert eher vor und nach dem Kurs.
Nachbarschaft
Im Leipziger Experiment reichte räumliche Nähe an einem einzigen Tag, und die Nachbarschaft ist die dauerhafteste Form von Nähe. Hausfeste, ein Gemeinschaftsgarten, Nachbarschaftsplattformen oder das Café an der Ecke, in dem du immer zur selben Zeit sitzt, erzeugen beiläufige Wiederbegegnungen, die anderswo erst organisiert werden müssen. Der Haken ist, dass hier niemand einen Anlass vorgibt. Den ersten Schritt musst du selbst machen.
Arbeit
Im Job verbringst du viele Stunden mit denselben Menschen. Die reine Menge dieser Stunden sagt aber wenig: In Halls Befragung hing gemeinsame Arbeitszeit nicht mit größerer Nähe zusammen. Aus Kolleginnen und Kollegen werden eher Freunde, wenn ihr auch Zeit außerhalb der Arbeit miteinander verbringt, beim Laufen nach Feierabend oder bei einer Verabredung am Wochenende.
Offene Treffen, Meetups und Stammtische
Offene Treffen sind der schnellste Weg zu neuen Gesprächen. Du musst dich auf nichts festlegen und begegnest an einem Abend mehreren Menschen. Was meist fehlt, ist die Wiederkehr, weil bei jedem Termin andere am Tisch sitzen. Stammtische mit einem festen Kern sind die Ausnahme und funktionieren eher wie ein Verein. Bei allen anderen Formaten wird aus einem guten Abend nur dann mehr, wenn du selbst eine zweite Verabredung vorschlägst.
Apps und Plattformen
Apps zum Freunde finden lösen das Problem des ersten Kontakts. Das ist vor allem dann nützlich, wenn die anderen Wege nicht in den Alltag passen, etwa im Schichtdienst, mit kleinen Kindern oder nach einem Umzug ohne Anknüpfungspunkte. Die Zeit, aus der eine Freundschaft entsteht, verbringt ihr trotzdem offline. Welche Arten von Apps es gibt und worin sie sich unterscheiden, vergleicht der Artikel Freunde finden per App.
Welcher Weg zu deiner Situation passt
Die Wege oben gelten für fast alle. Wie gut sie in dein Leben passen, hängt davon ab, wo du gerade stehst.
Wenn du neu in einer Stadt bist, fehlen die Anknüpfungspunkte fast vollständig, und bis zur ersten Freundschaft vergeht mehr Zeit, als viele erwarten. Was Studien dazu sagen, steht unter Freunde finden in einer neuen Stadt. Lokale Anlaufstellen haben wir für Berlin, Hamburg, München, Köln und Frankfurt zusammengestellt.
Wenn du über 30 bist und Job oder Familie den Kalender füllen, ist freie Zeit das eigentliche Nadelöhr, und der Freundeskreis aus Studium oder Ausbildung hat sich oft verteilt. Welche Wege mit wenig Zeit funktionieren, behandelt Freunde finden ab 30.
Um Freundschaften unter Frauen geht es gezielt auf Freundinnen finden.
Wenn gerade kaum Kontakte da sind, hilft oft zuerst eine Einordnung, bevor eine Strategie greift. Dafür ist Ich habe keine Freunde der bessere Startpunkt.
Und wenn das Kennenlernen klappt, aber nichts daraus wird, bringt ein neuer Ort meist wenig. Worauf es nach der ersten Begegnung ankommt, steht Schritt für Schritt unter Wie finde ich neue Freunde.
Wo Helpcity dazugehört
Helpcity gehört zu den Apps aus dem Abschnitt oben, mit einem anderen Einstieg als die meisten. Es gibt keinen öffentlichen Feed und keine Profilseite, auf der man sich von der besten Seite zeigt. Am Anfang steht ein persönliches Inserat: Du beschreibst, welche Themen, Herausforderungen und Interessen dich beschäftigen, und legst fest, ob du dich austauschen oder eher helfen möchtest. Wer dir schreibt, reagiert also auf ein Thema und nicht auf ein Foto.
Profile werden bevorzugt nach thematischer und örtlicher Nähe angezeigt, filtern kannst du nach Umgebung, Bundesland oder deutschlandweit. Der Kontakt läuft über den Chat. Profile und Chats lassen sich melden, andere Nutzerinnen und Nutzer blockieren. Helpcity ist keine Dating-App.
Eine App kann den ersten Kontakt herstellen. Ob daraus eine Freundschaft wird, entscheidet sich an den Treffen danach.
Häufig gestellte Fragen
Wo kann man als Erwachsener neue Freunde finden?
Am ehesten dort, wo du dieselben Menschen regelmäßig in deiner Freizeit wiedersiehst: in Vereinen und Sportgruppen, in einem Ehrenamt mit festem Team, in Kursen über mehrere Wochen oder in der Nachbarschaft. Veranstaltungen und Apps eignen sich gut für den ersten Kontakt, die Wiederholung musst du dort selbst organisieren.
Kann man online echte Freunde finden?
Online kann der erste Kontakt entstehen. Die Nähe wächst mit der Zeit, die ihr danach miteinander verbringt. Aus einem guten Chat wird deshalb erst dann eine Freundschaft im Alltag, wenn ihr euch trefft und das wiederholt.
Wie kann man kostenlos Freunde finden?
Viele wirksame Wege kosten nichts. Ein Ehrenamt ist kostenlos, offene Angebote in Stadtteil- und Bürgerzentren meist ebenfalls, und viele Stammtische und Meetups verlangen keinen Beitrag. Vereine erheben in der Regel einen Mitgliedsbeitrag. Helpcity kannst du kostenlos nutzen, einzelne Zusatzfunktionen gibt es mit Helpcity Hero.
Warum ist es als Erwachsener schwerer, Freunde zu finden?
Ein wesentlicher Grund ist, dass der Rahmen fehlt, der früher für Wiederholung gesorgt hat. In Schule und Studium sieht man dieselben Menschen täglich, ohne etwas dafür zu tun. Später muss man solche Umfelder bewusst suchen, und die Arbeit ersetzt sie nur begrenzt: In einer Befragung von Jeffrey Hall hing gemeinsame Arbeitszeit nicht mit größerer Nähe zusammen.
Quellen
- Back, M. D., Schmukle, S. C. & Egloff, B. (2008): Becoming friends by chance. Psychological Science, 19(5), 439–440.
- Hall, J. A. (2018): How many hours does it take to make a friend? Journal of Social and Personal Relationships, 36(4), 1278–1296.
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