Wie finde ich neue Freunde?
Die meisten Ratgeber beantworten die Frage, wo man Menschen trifft. Der schwierigere Teil kommt danach: aus einer Bekanntschaft eine Verabredung machen, nach einem guten Gespräch weitermachen, aushalten, wenn niemand zurückschreibt. Diese Seite geht den Ablauf durch, Schritt für Schritt. Welche Orte und Wege sich dafür überhaupt eignen, steht unter Freunde finden.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Der entscheidende Schritt ist nicht das Kennenlernen, sondern die erste Verabredung außerhalb des gemeinsamen Rahmens
- Menschen unterschätzen systematisch, wie sympathisch sie ihrem Gegenüber waren. Ein zurückhaltendes Gefühl nach dem Gespräch ist kein verlässliches Signal
- Rechne in Monaten: rund 50 Stunden gemeinsame Zeit bis zur lockeren Freundschaft, über 200 bis zur engen Freundschaft
Schritt eins: wenn man sich einmal trifft und dann nie wieder
Das ist die häufigste Erfahrung überhaupt: ein gutes Gespräch auf einer Veranstaltung, danach passiert nichts mehr. Wo du Menschen triffst, ist deshalb weniger wichtig als die Frage, ob du sie wiedersiehst. Ein Kurs mit festem Wochentermin, eine Sportgruppe, ein Ehrenamt oder ein Stammtisch bringen dich in drei Monaten weiter als zehn einzelne Veranstaltungen, weil du dort nichts organisieren musst, damit ihr euch wiederbegegnet.
Der Kommunikationsforscher Jeffrey Hall hat 2018 untersucht, wie viel gemeinsame Zeit dafür nötig ist. Rund 50 Stunden bis zur lockeren Freundschaft, etwa 90 Stunden bis zu dem, was die meisten Freundschaft nennen würden, über 200 Stunden bis zur engen Freundschaft. Gemeinsame Arbeitszeit zählte dabei deutlich weniger als Freizeit. Wer sich einmal pro Woche zwei Stunden sieht, liegt nach einem halben Jahr bei etwa 50 Stunden. Das ist der realistische Maßstab.
Schritt zwei: aus einer Bekanntschaft eine Verabredung machen
Hier bleiben die meisten hängen. Man sieht sich acht Wochen lang im selben Kurs, versteht sich gut, und danach passiert nichts, weil niemand den Schritt aus dem gemeinsamen Rahmen heraus macht. Solange ihr euch nur dort trefft, wo euch ohnehin beide hinbringt, bleibt es eine Bekanntschaft.
Was hilft, ist ein konkreter Vorschlag statt einer offenen Einladung. „Wir sollten mal was machen“ verpflichtet niemanden und wird selten eingelöst. „Ich geh am Samstag auf den Markt, willst du mit?“ ist ein Termin und lässt sich mit Ja oder Nein beantworten. Der Vorschlag darf klein sein. Ein Kaffee nach dem Kurs ist ein vollwertiger erster Schritt.
Meistens wartet die andere Seite darauf, dass jemand anfängt. Das ist keine Beschwichtigung, sondern das Ergebnis der Forschung im nächsten Abschnitt.
Wenn du dir unsicher bist, ob die Person dich mag
Nach einem Gespräch mit jemand Neuem bleibt oft der Eindruck, es sei mittelmäßig gelaufen. Erica Boothby und ihr Team haben 2018 in Psychological Science gezeigt, dass dieser Eindruck systematisch zu pessimistisch ist. In mehreren Untersuchungen, unter Fremden im Labor, unter Erstsemestern in Wohnheimen und unter Teilnehmenden von Workshops, schätzten die Befragten durchweg zu niedrig ein, wie sympathisch sie ihrem Gegenüber waren. Die Forschenden nennen das die Sympathielücke.
Der Grund liegt in der eigenen Aufmerksamkeit: Wer im Gespräch damit beschäftigt ist, die eigene Wirkung zu bewerten und den nächsten Satz zu planen, übersieht die Signale des Gegenübers. Praktisch heißt das, dein Gefühl nach dem Gespräch nicht als Messwert zu behandeln. Wenn du unsicher bist, ob du schreiben sollst, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die Nachricht willkommen ist.
Schritt drei: das dritte und vierte Treffen
Ein gutes erstes Treffen entscheidet wenig. Was eine Freundschaft von einer netten Bekanntschaft trennt, ist die Wiederholung, und die kommt im Erwachsenenalter nicht von allein. Der einfachste Hebel ist, am Ende eines Treffens den nächsten Termin zu machen, statt es bei einem „bis bald“ zu belassen. Zwischen zwei festen Terminen liegt eine Verabredung, zwischen zwei losen Absichten liegt meist nichts.
Ab etwa diesem Punkt entsteht der Teil, den man später Freundschaft nennt: Ihr erzählt euch Dinge, die über den Anlass hinausgehen. Das lässt sich nicht erzwingen, aber begünstigen, indem du selbst etwas Persönliches beiträgst, bevor du es erwartest. Wer nur fragt und nichts von sich preisgibt, bleibt in der Rolle des freundlichen Gegenübers.
Rechne damit, dass Kontakte in dieser Phase wieder verschwinden. Sam Roberts und Robin Dunbar haben 2011 über achtzehn Monate beobachtet, dass Freundschaften an Nähe verlieren, sobald der persönliche Kontakt seltener wird, und zwar schneller als Beziehungen zu Verwandten. Nichts daran ist persönlich gemeint, es ist der Normalfall ohne aktive Pflege.
Wenn niemand zurückschreibt
Das passiert, und zwar auch Menschen, die nichts falsch gemacht haben. Die üblichen Gründe sind banal: volle Wochen, eine Nachricht, die im Hintergrund verschwunden ist, eine Person, die selbst keine Kapazität hat. Eine einzelne Nachfrage nach ein paar Tagen ist angemessen, danach lässt du es liegen. Zweimal nachzufassen ist noch kein Aufdrängen, dreimal wird es unangenehm für beide.
Wichtiger ist, nicht alles auf einen Kontakt zu setzen. Wenn du parallel drei oder vier lose Fäden hast, trägt eine Absage weniger Gewicht. Das klingt nüchtern, verhindert aber genau die Spirale, in der eine ausbleibende Antwort zum Beleg dafür wird, dass es bei einem selbst nicht funktioniert.
Wann du eine Sache aufgibst
Nicht jede Gruppe passt, und es ist kein Scheitern, das festzustellen. Ein brauchbares Kriterium: Wenn du nach etwa zehn Terminen niemanden gefunden hast, mit dem du dich auch außerhalb verabreden würdest, liegt es eher am Zuschnitt der Gruppe als an dir. Dann wechsle das Umfeld, nicht die Methode.
Aufgeben solltest du dagegen nicht nach zwei Wochen. Die Zeitangaben oben sind der Grund: Wer nach vier Terminen abbricht, war rechnerisch noch nicht einmal in der Nähe einer Bekanntschaft.
Wo Helpcity in diesem Ablauf sitzt
Helpcity setzt am ersten Schritt an, also dort, wo du jemanden ansprechen musst, den du nicht kennst. Zentrale Einheit ist ein persönliches Inserat: Du beschreibst, welche Themen, Herausforderungen und Interessen dich beschäftigen, und legst fest, ob du dich austauschen oder eher helfen möchtest. Wer dir schreibt, weiß also vorher, worum es geht.
Profile werden bevorzugt nach thematischer und örtlicher Nähe angezeigt, suchen kannst du zusätzlich nach Umgebung, Bundesland oder deutschlandweit sowie nach Geschlecht, Alter und Schlagwörtern. Für die Anmeldung brauchst du Geburtsdatum, einen frei wählbaren Nutzernamen, Geschlecht und Wohnort, keinen Klarnamen. Es gibt keinen öffentlichen Feed, der Kontakt läuft über den Chat.
Die Schritte zwei und drei nimmt dir keine App ab. Auch hier gilt, dass aus einem guten Chat erst dann etwas wird, wenn ihr einen konkreten nächsten Termin ausmacht.
Häufig gestellte Fragen
Kann man im Erwachsenenalter überhaupt noch echte Freunde finden?
Ja, es dauert nur länger und passiert nicht mehr nebenbei. In Schule und Studium entstehen Freundschaften, weil man sich ohnehin täglich sieht. Später fehlt dieser Rahmen, und der Aufbau wird zu etwas, das man bewusst einplant. Was sich nicht ändert, ist die Fähigkeit dazu. Mehr Zeit braucht es allerdings: In Jeffrey Halls Befragung von Erwachsenen, die umgezogen waren, lag die Schwelle zur lockeren Freundschaft bei rund 94 gemeinsamen Stunden, bei Studierenden deutlich niedriger.
Wie frage ich jemanden, ob wir uns treffen wollen?
Mach einen konkreten Vorschlag statt einer offenen Einladung. Ein Termin mit Anlass, Ort und Zeit lässt sich mit Ja oder Nein beantworten, ein „wir sollten mal“ verpflichtet niemanden. Der Vorschlag darf klein sein, ein Kaffee nach dem Kurs reicht völlig.
Wie lange dauert es, bis aus einer Bekanntschaft eine Freundschaft wird?
Nach der Forschung von Jeffrey Hall braucht es rund 50 Stunden gemeinsame Zeit bis zur lockeren Freundschaft, etwa 90 Stunden bis zur Freundschaft und über 200 Stunden bis zur engen Freundschaft. Bei einem wöchentlichen Treffen von zwei Stunden sind das mehrere Monate.
Was mache ich, wenn niemand auf meine Nachricht antwortet?
Einmal nach ein paar Tagen nachfassen, danach liegen lassen. Die häufigsten Gründe sind volle Wochen oder eine übersehene Nachricht, nicht Ablehnung. Hilfreich ist, mehrere lose Kontakte parallel zu haben, damit eine Absage weniger Gewicht bekommt.
Woran merke ich, ob mich jemand sympathisch findet?
Am eigenen Gefühl eher nicht. Eine Studie von Erica Boothby und Kolleginnen aus dem Jahr 2018 zeigt, dass Menschen nach Gesprächen systematisch unterschätzen, wie sympathisch sie ihrem Gegenüber waren. Wenn du unsicher bist, ob du schreiben sollst, ist das kein Argument dagegen.
Ist Helpcity eine Dating-App?
Nein. Helpcity ist auf Austausch und gegenseitige Hilfe zu Themen, Herausforderungen und Interessen ausgerichtet, nicht auf romantisches Kennenlernen.
Quellen
- Hall, J. A. (2018): How many hours does it take to make a friend? Journal of Social and Personal Relationships, 36(4), 1278–1296.
- Boothby, E. J., Cooney, G., Sandstrom, G. M. & Clark, M. S. (2018): The Liking Gap in Conversations. Do People Like Us More Than We Think? Psychological Science, 29(11), 1742–1756.
- Roberts, S. G. B. & Dunbar, R. I. M. (2011): The costs of family and friends. An 18-month longitudinal study of relationship maintenance and decay. Evolution and Human Behavior, 32, 186–197.
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