Zwei Freundinnen unterhalten sich beim Kaffee

Wie lange dauert es, eine Freundschaft aufzubauen? Aus einer neuen Bekanntschaft wird nicht automatisch ein enger Freund oder eine enge Freundin. Eine Studie der University of Kansas hat untersucht, wie viel gemeinsame Zeit Menschen tatsächlich miteinander verbringen, bevor aus einer Bekanntschaft eine Freundschaft wird – und welche Art von gemeinsamer Zeit dabei eine Rolle spielt.

Du kennst jemanden seit zwei Jahren, ihr grüßt euch, redet gelegentlich, würdest die Person aber nicht als Freund bezeichnen. Eine andere Person kennst du erst seit vier Monaten, und trotzdem fühlt es sich längst wie eine echte Freundschaft an. Der Unterschied liegt nicht unbedingt an der Sympathie oder am Charakter der beteiligten Personen. Entscheidend ist auch, wie viel Zeit Menschen miteinander verbringen und was sie in dieser Zeit gemeinsam erleben.

Genau das hat die Studie untersucht: Wie verändert sich die Nähe zwischen zwei Menschen, wenn sie mehr Zeit miteinander verbringen? Und ab wann wird aus einer Bekanntschaft tatsächlich eine Freundschaft?

Kurz zusammengefasst

  • Die häufig zitierte „50-Stunden-Regel“ stammt aus einer Studie von Jeffrey Hall (2019), ist aber keine feste Schwelle, sondern eine grobe Orientierung aus zwei begrenzten Stichproben.
  • Hall unterscheidet drei Übergänge: von Bekanntschaft zu lockerer Freundschaft, von lockerer Freundschaft zu Freundschaft, von Freundschaft zu enger Freundschaft.
  • Reine Arbeitszeit oder Pflichtzeit trug in der Studie kaum zur Freundschaftsnähe bei, ausschlaggebend war freiwillig gewählte, zwecklose gemeinsame Zeit.
  • Menschen können hunderte Stunden mit denselben Personen verbringen und trotzdem bei „Bekanntschaft“ bleiben, wenn diese Zeit ausschließlich strukturiert und pflichtgebunden ist.
  • Für den Alltag folgt daraus: Wiederholung mit denselben Personen zählt mehr als viele einzelne neue Kontakte.

Was die Studie tatsächlich untersucht hat

Jeffrey Hall, Kommunikationswissenschaftler an der University of Kansas, veröffentlichte 2018 im Journal of Social and Personal Relationships eine Studie in zwei Teilen. Im ersten Teil befragte er 355 Erwachsene, die kürzlich umgezogen waren und aktiv neue Kontakte knüpften, unter anderem zu geschätzter gemeinsamer Zeit und zum eingeschätzten Freundschaftsstatus einer bestimmten Person. Im zweiten Teil begleitete er 112 Erstsemester über neun Wochen und fragte wiederholt nach zwei neuen Bekanntschaften.

Aus beiden Teilstudien leitete Hall Richtwerte ab, wie viel gemeinsame Zeit mit dem Übergang zwischen vier Stufen zusammenhing: Bekanntschaft, lockere Freundschaft, Freundschaft, enge Freundschaft.

Grob zusammengefasst fand Hall, dass rund 40 bis 60 Stunden gemeinsame Zeit mit dem Übergang von Bekanntschaft zu lockerer Freundschaft einhergingen, rund 80 bis 100 Stunden mit dem Übergang zu Freundschaft, und über 200 Stunden mit dem Übergang zu enger Freundschaft.

Diese Zahlen sind Durchschnittswerte aus zwei spezifischen, nicht repräsentativen Stichproben, keine biologische Konstante und kein Wert, der für jede Person und jede Beziehung exakt gilt. Hall selbst beschreibt sie als Anhaltspunkte, nicht als Grenzwerte.

Warum die Art der Zeit mehr zählt als die Menge

Die eigentlich aufschlussreiche Erkenntnis der Studie liegt nicht in der Zahl, sondern in dem, was Hall über die Art der Zeit herausgefunden hat. Zeit, die gemeinsam am Arbeitsplatz oder in anderen strukturierten, wenig selbst gewählten Kontexten verbracht wurde, trug deutlich weniger zur Freundschaftsnähe bei als Zeit, die freiwillig und ohne festen Zweck verbracht wurde, etwa Rumhängen, Witze machen, gemeinsame Freizeitaktivitäten.

Einige Studienteilnehmende berichteten von hunderten Stunden mit Kolleg:innen, ordneten diese Personen aber trotzdem nur als Bekannte ein. Der entscheidende Unterschied war demnach nicht die Gesamtstundenzahl, sondern ob die Zeit selbst gewählt und zweckfrei war.

Was das für Erwachsenenfreundschaften bedeutet

Im Erwachsenenalter besteht ein großer Teil der gemeinsamen Zeit mit anderen Menschen aus genau der Art von Zeit, die laut Hall am wenigsten zählt: Meetings, Elternabende, kurze Verabredungen zwischen zwei Terminen. Die unstrukturierte, zwecklose Zeit, die in Schule, Studium oder WG-Phasen oft von selbst entstanden ist, muss danach aktiv organisiert werden. Das erklärt zumindest teilweise, warum neue enge Freundschaften nach dem Studium seltener werden, nicht weil weniger Menschen getroffen werden, sondern weil ein großer Teil der gemeinsamen Zeit strukturell nicht die Art von Zeit ist, die laut der Studie zu Nähe führt.

Was sich daraus konkret ableiten lässt

Aus der Studie selbst lässt sich keine Handlungsanweisung ableiten, nur eine Korrelation zwischen Zeitart und Nähe. Die folgenden Punkte sind praktische Schlussfolgerungen von Helpcity, die sich aus dieser Korrelation naheliegend ergeben, keine direkt in der Studie getesteten Interventionen.

Wiederholung mit denselben Personen bringt mehr als Verteilung auf viele neue Kontakte: Ein wöchentliches festes Format mit zwei, drei Menschen summiert Stunden bei denselben Personen, statt sie auf zehn einmalige Treffen zu verteilen.

Zeit ohne festes Ende zählt anders als Zeit mit Anlass und Enddatum: Ein Treffen, das mit einem festen Zweck beginnt und zu einer festen Zeit endet, lässt wenig Raum für die unstrukturierte Zeit, die laut Hall entscheidend war.

Der Übergang von Pflichtkontext zu freiwilligem Kontext ist der eigentliche Wendepunkt: Wenn sich mit einer Person aus Job oder Seminar etwas anfühlt, das über Kollegialität hinausgeht, ist der nächste Schritt eine erste freiwillig gewählte Verabredung außerhalb dieses Kontexts, nicht mehr gemeinsame Zeit am selben Pflichtort.

Wo Helpcity ansetzt

Helpcity ersetzt nicht die 80 bis 100 Stunden, die laut der Studie mit dem Übergang zu einer Freundschaft einhergehen. Die Plattform kann den ersten freiwilligen Kontakt zu jemandem herstellen, der ein ähnliches Thema mit sich trägt. Die Zeit danach, die eigentliche Arbeit der Freundschaft, liegt bei den beiden Personen selbst.

Häufige Fragen

Stimmt die 50-Stunden-Regel für Freundschaft?

Sie ist eine grobe Vereinfachung einer Studie von Jeffrey Hall (2019), die eher Spannen von 40 bis 60 Stunden für eine lockere Freundschaft nennt, abgeleitet aus zwei begrenzten Stichproben. Als feste, für jeden geltende Regel ist sie wissenschaftlich nicht haltbar.

Zählt Zeit mit Kolleg:innen für die Freundschafts-Stunden mit?

Laut der Studie deutlich weniger als freiwillig gewählte, zwecklose Zeit. Einige Teilnehmende verbrachten hunderte Stunden mit Kolleg:innen und blieben trotzdem bei der Einstufung Bekanntschaft.

Wie viele Stunden braucht man für eine enge Freundschaft laut der Studie?

Hall nennt über 200 Stunden als groben Richtwert für den Übergang zu enger Freundschaft, ebenfalls als Orientierung und nicht als exakte Grenze zu verstehen.

Warum werden manche Bekanntschaften trotz häufiger Treffen nie zu Freundschaften?

Weil laut der Studie nicht die Häufigkeit der Treffen entscheidend ist, sondern ob die gemeinsame Zeit freiwillig und ohne festen Zweck verbracht wird.

Basiert die Studie auf einer repräsentativen Stichprobe?

Nein. Die Ergebnisse stammen aus einer Online-Befragung von 355 kürzlich umgezogenen Erwachsenen und einer Neun-Wochen-Verlaufsbefragung von 112 US-amerikanischen Erstsemestern, beides spezifische, nicht repräsentative Gruppen.

Kann man den Prozess beschleunigen, indem man einfach mehr Zeit investiert?

Die Studie zeigt einen Zusammenhang zwischen Zeitart und Nähe, keinen nachgewiesenen Kausaleffekt einer gezielten Zeitinvestition. Mehr zeitliche Investition in freiwillige, zwecklose gemeinsame Aktivitäten legt aber laut den Daten einen positiven Zusammenhang mit schnellerer Annäherung nahe.

Zum Schluss

Wer das Gefühl hat, im Erwachsenenalter keine neuen engen Freundschaften mehr aufzubauen, trifft meist trotzdem regelmäßig Menschen. Was fehlt, ist häufiger die unstrukturierte, freiwillig gewählte Zeit, nicht die Gelegenheit selbst. Diese Zeit lässt sich nicht erzwingen, aber gezielt schaffen, durch Wiederholung mit denselben Menschen und durch bewusst zwecklose Verabredungen ohne festen Anlass.

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Quellen
Hall, J. A. (2019). How many hours does it take to make a friend? Journal of Social and Personal Relationships, 36(4), 1278–1296.
University of Kansas, News Service (2018). Study reveals number of hours it takes to make a friend. news.ku.edu

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