"Es ist schwer. Und es ist wundervoll. Das Leben als alleinerziehende Mama ist eine reine Achterbahnfahrt. "

Geschichten aus der Community

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Nicki für Menschen von Helpcity

Hallo, 

mein Name ist Nicki. Ich bin 30 Jahre alt und alleinerziehende Zweifach-Mama.

Wie würdest du mit eigenen Worten beschreiben, was du derzeit erlebst oder erlebt hast?

Die Trennung von meinem noch Ehemann vor einem Jahr kam für mich nach 10 gemeinsamen Jahren, drei davon verheiratet, aus dem Nichts. Allein die Umstände hätten mich niemals ahnen lassen, dass mir so etwas bevorsteht. Ende Oktober 20 habe ich unsere zweite Tochter auf die Welt gebracht. Unser Start war leider sehr holprig. Einen Tag nach der Geburt kam sie mit Verdacht auf Neugeboreneninfektion auf Intensivstation, was mir als frisch gebackene 2fach-Mama natürlich das Herz gebrochen hat. Keine Mutter will so schnell von ihrem Kind getrennt werden. Nur einen Tag später kam ich dann selbst mit Blaulicht ins Krankenhaus – Gebärmutterentzündung. Glücklicherweise durften wir beide dann zusammen auf ein Zimmer, sobald es der Kleinen entsprechend ging. 

Für mich hieß es allerdings keine drei Wochen später wieder – ab ins Krankenhaus. Diesmal mit Gallenkoliken. Meine Kinder durften nicht zu mir – aus versicherungstechnischen Gründen wäre eine Unterbringung meiner neugeborenen Tochter nicht möglich gewesen. Der Stein wurde also entfernt und ich wurde nach ein paar Tagen nach Hause gelassen. Eine Woche später wurde mir die Gallenblasen entfernt. Also wieder Krankenhausaufenthalt und wieder durften meine Kinder nicht zu mir. Dass ich inzwischen also ein nervliches Wrack war, ist unschwer vorstellbar. 

Nach ein paar Tagen durfte ich nach Hause. Ich erinnere mich noch sehr gut, wie ich zu meinem Mann sagte „Also schlimmer kann mein Jahr nicht mehr werden.“ Was soll ich sagen. Nicht eine Woche später wurde es schlimmer. Denn mein Mann trennte sich von mir. Unsere Beziehung sei nur noch „freundschaftlich“ und er habe keine Gefühle mehr. 

Wie hast du dich dabei gefühlt, oder wie fühlst du dich?

Ich war sprachlos. Geschockt. In dem Moment hatte ich das Gefühl, dass sich der Boden unter mir auftut und ich verschwinde. Bei dem Gespräch hatte ich unsere gerade einmal zwei Monate alte Tochter auf dem Schoß und dachte allen Ernstes ich hätte mich verhört. Aber nein. Wir haben uns nach einer „Probewoche“ getrennt. Man muss dazu sagen, dass dieses Kartenhaus von einer „perfekten“ Familie einfach zusammengeklappt ist. Gerade für mich als Adoptivkind war das unvorstellbar schlimm. Denn so etwas hätte ich mir für meine Kinder nie gewünscht. 

Inzwischen geht es mir mit dieser Trennung allerdings sehr gut. Für mich persönlich war die Trennung tatsächlich das beste, was mir passieren konnte. Denn ich fühle mich unglaublich frei. Und mein gesamtes Umfeld meldet mir genau das zurück. Ich wäre wieder viel lebensfroher, offener – einfach glücklicher. 

Wie sieht dein Alltag aus?

Natürlich ist es manchmal alles andere als einfach, Familie, Beruf und sein eigenes Privatleben unter einen Hut zu bringen. Den Hund nicht zu vergessen. Gerade als Mama von zwei kleinen Kindern (1 und 3) ist kein Tag wie der andere und man geht teilweise durch Schlafentzug echt auf dem Zahnfleisch. Ich bin zwar derzeit noch in Elternzeit, mit meiner kleinsten, aber ich arbeite nebenbei und mache zudem gerade noch eine Weiterbildung. Gerade in der Erkältungszeit ist es für mich sehr schwer allen gerecht zu werden. Mal geht es besser, mal schlechter. 

Angesichts deiner Situation, wie wirkt deine Umgebung und die Gesellschaft auf dich?

Ich habe das Glück, dass ich einen unfassbaren Rückhalt in meinem Freundes- und Familienkreis erleben darf. Kurz nach der Trennung haben sämtliche Freundinnen alles stehen und liegen gelassen und sind zu mir gekommen, weil sie wussten, dass das Schlimmste für mich jetzt wäre, allein zu sein. Sie haben ihre eigenen Probleme hintenan gestellt, um für mich/uns da zu sein. Und ich bin unfassbar dankbar. Für jede Nachricht. Jedes Telefonat. Jede Umarmung und jeden blöden Witz, um mich aufzuheitern. Denn am Ende haben sie mir wieder auf die Beine geholfen und mich daran erinnert, wie stark ich bin. 

Ich habe kurz nach der Trennung vorbeugend eine Therapie gemacht. Einfach weil ich mir dachte „Wenn jetzt noch eine unvorhergesehene schlimme Sache passiert, war’s das.“ – Und ich trage einfach nicht mehr nur die Verantwortung für mich, sondern auch für meine zwei kleinen Mädels. Die Therapie konnte ich sogar in Absprache früher beenden, weil ich mich schnell wieder berappelt hatte. 

Wenn du die Möglichkeit hättest offen und ehrlich reden zu können, was würdest du sagen wollen?

Es ist schwer. Und es ist wundervoll. Das Leben als alleinerziehende Mama ist eine reine Achterbahnfahrt. Und ich würde es nicht eintauschen wollen. Auch wenn ich gelegentlich meine Pausen benötige. Einfach um mich auf mich zu besinnen und Kraft zu tanken. Ich bin auch sehr dankbar, dass mein (noch) Mann und ich es für die Kinder sehr, sehr gut hinbekommen. Wir haben eine Beratung der Diakonie in Anspruch genommen, um zu sehen, wie wir es für die Kinder am besten lösen. Wir stehen, was die Erziehung der Kinder angeht Seite an Seite und das ist unfassbar viel wert. Natürlich habe ich nicht vergessen, in welchem Augenblick die Trennung kam. Und die Art und Weise hat mich wirklich verletzt. Aber meine Kinder haben eine unbeschwerte Kindheit verdient und wir als Eltern sind verpflichtet, unser Mögliches zu tun, damit sie angesichts der Umstände so unbeschwert wie möglich abläuft. Egotrips haben hier einfach nichts zu suchen. Sie helfen keinem. Am allerwenigsten den Kindern. 

Wie definierst du für dich Leben?

Wie war das? Leben ist das, was passiert, während du damit beschäftigt bist, andere Pläne zu machen. Ich denke, niemand wird von sich sagen „Ich habe das so geplant.“ – doch das sind nun mal die Karten, die das Leben mir gegeben hat. Und ich bin wild entschlossen, mit meinen Kids ein Leben voller Wunder, Magie und Abenteuer (und natürlich einem Haufen Wäsche) zu leben. Wer weiß, wofür das alles gut war. 😉

Gibt es eine Erfahrung, die dein Leben nachhaltig verändert hat? (sowohl positiv als auch negativ?)

Aus einer Beziehung mit einem narzisstischen Partner zu kommen, verändert einen. Das Ding ist, dass es einem erst im Nachhinein so richtig bewusst wird. Mit Abstand blickt man dann auf Situationen zurück und denkt sich „Warum habe ich das zugelassen?“. Da bin ich sicher kein Einzelfall. Das wichtigste ist aber nicht, was war. Es ist nun mal so passiert und ich habe sicherlich auch meinen Teil dazu beigetragen, indem ich Konflikte gescheut habe, Diskussionen vermieden und einfach der „Liebe Willen“ zurückgesteckt habe. Das Wichtigste für mich ist es jetzt zu lernen, mich selbst zu lieben. Mich anzunehmen so, wie ich bin. Und für meine Überzeugungen einzustehen. Und das ist gar nicht so einfach, wie es klingt. Aber. Ich werde immer besser darin und merke, wie sehr ich mich gerade zum positiven verändere – und das wird mir auch von meinem Umfeld zurückgemeldet.

Zu wissen, dass andere Betroffene mit ihren Ängsten und Sorgen nicht allein sind, kann sehr hilfreich sein. Deswegen möchten wir dich und deine Geschichte vorstellen. Warst du schon mal in einer schwierigen Situation? Was oder wer hat dir geholfen?

Du magst das vielleicht nicht glauben, aber deine Geschichte könnte für andere Gold wert sein – sie könnte einen Wendepunkt in ihrem Leben darstellen.

Schreib uns dafür doch eine kurze E-Mail an kontakt@helpcity.de. Gerne teilen wir deine Story mit den anderen Usern. Ob als Social Media Beitrag, auf der Pinnwand oder auf unserem Helpcity Blog – das darfst du entscheiden. Die Veröffentlichung kann natürlich komplett anonym erfolgen.

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