"Mein Leben fühlte sich an, als sei ich lebendig begraben"

Nadine Pittlik
Nadine Pittlik, Mentorin für Angststörungen

Nadine Pittlik, Mentorin für Angststörungen

🌿 Lerne, dich selbst aus der Angst zu befreien &
🌱 bereits JETZT -DEIN- Leben zu leben

Mein Leben fühlte sich an, als sei ich lebendig begraben. Panik und Angst – vorher spielten sie keine große Rolle für mich und plötzlich waren sie meine ständigen Begleiter. In mir war nichts mehr als eine graue, alles aufsaugende Leere. Und die Angst, dass mich niemand versteht und es für immer so bleibt. 

Was genau hast du erlebt? Passt das zu dem, was ich gerade durchmache?

Meine allererste Panikattacke kam nachts. Ich schreckte aus dem Schlaf auf und – nicht sicher, ob ich noch träumte oder tatsächlich wach war – merkte ich nur, dass mein Herz raste wie verrückt. Es schlug so unregelmäßig, ich spürte Aussetzer, dann schlug es viel zu stark und viel zu laut. Irgendwas war hier ganz und gar nicht in Ordnung. Dieser Druck auf meiner Brust, als säße ein Elefant auf mir. Es schnürte mir die Luft ab. Ich verkrampfte. Und konnte nicht einen einzigen klaren Gedanken fassen.

„Was, wenn ich ersticke? Was, wenn ich einen Herzinfarkt bekomme? Was, wenn ich eine ganz schlimme, unheilbare Krankheit habe? Was, wenn ich jetzt sterbe?…“

Dann folgten ganz schlimme Bauchschmerzen, Schwitzen, Zittern, Durchfall, Schüttelfrost und danach eine unglaubliche Erschöpfung, als sei ich einen Marathon gelaufen.

Damals wusste ich noch nicht, dass das eine Panikattacke war. Ich ging von Arzt zu Arzt. Da MUSSTE doch irgendwas zu finden sein. Ich googelte – und wir alle wissen, welche Diagnosen das Internet ganz schnell für uns in Hülle und Fülle bereithält. Nicht hilfreich. Absolut gar nicht hilfreich. Es hätte ALLES sein können. Doch immer wieder hörte ich ‘Frau Pittlik, da ist alles in Ordnung. Sie sind kerngesund.’ ABER WARUM VERDAMMT FÜHLT ES SICH DANN STÄNDIG SO AN ALS WÜRDE ICH GLEICH UMKIPPEN UND STERBEN??

Diese Panik kam immer häufiger und immer – wirklich immer – ohne jeglichen logischen Bezug zu einem Auslöser. Es gab in den Situationen kurz davor und währenddessen nie etwas Offensichtliches, was erklärt hätte, warum mein Körper so reagierte. Die Panik kam nachts, abends beim Schlafengehen, beim Einkaufen, beim Spazierengehen, beim Fernsehen, alleine oder mit meiner Familie. Sie war irgendwann ständig da. Und die Angst vor der Angst ging irgendwann gar nicht mehr weg. Sie übertönte alles in meinem Leben. Ich konnte keine echte Freude mehr spüren, war nie richtig da. Weil ich immer den Gedanken mit mir herumschleppte, „Was, wenn jetzt als nächstes etwas ganz Schlimmes passiert?“. Dieses Gefühl der ständigen Ungewissheit, dass ich mich so hilflos fühlte, so machtlos und ausgeliefert. Es war grauenhaft.

Die Diagnose: Panikstörung, aus der sich eine generalisierte Angststörung entwickelt hatte.

Ich hatte Angst zu sterben und Angst vor dem Leben. Und ging immer mehr in die Vermeidung.

Mit Freunden treffen? Essen gehen? In Urlaub fahren? Veranstaltungen besuchen? Bus oder Bahn fahren oder gar ins Flugzeug steigen? Keine Chance ohne schlimmste Symptome, Herzrasen und lähmende ‘Was, wenn…?’-Gedanken – dann ließ ich es lieber ganz bleiben.

Ich hasste diese Angst. Ich wollte sie um alles in der Welt loswerden. Neben der Psychotherapie und der Behandlung durch einen Neurologen und Psychiater, hatte ich so ziemlich alles probiert, was es an Empfehlungen und Ratschlägen gab. Die Erfolge blieben entweder aus oder kamen viel zu schleppend.

Bis ich nach und nach drei Dinge erkannte: 

  1. Anders, als ich so lange Zeit dachte, war ich damit NICHT ALLEIN. Nein, eigentlich kennt jede:r Fünfte, was ich erlebte (Ja, auch in meinem Umfeld, in dem ich dachte, nur mir ginge es so schlimm und ich müsse es verstecken!)
  2. Der einzige Weg da raus, war der Weg durch die Angst hindurch. Das Leben auszuschließen und alles zu vermeiden, was eigentlich für mich dazu gehörte, war NICHT die Lösung.
  3. Es gab Wege, mich auf die Angst und auf die Panik VORZUBEREITEN. Es gibt unzählige Methoden und ich musste herausfinden, welche MIR halfen und mir diese Techniken zu eigen machen für die Notfälle.

Was kannst du mir heute mitgeben?

Wenn du diese Gedanken also kennst…

  • “Was, wenn ich JETZT wirklich krank bin?“
  • “Was, wenn die Angst immer stärker und stärker wird und ich diesmal WIRKLICH sterbe?“
  • „Was, wenn gleich was ganz schlimmes passiert?“
  • „Oh Gott, also mein Puls war beim letzten Mal wirklich nicht so hoch!….Oder?“
  • „Was, wenn ich verrückt werde und meinen Verstand bald komplett verliere?“
  • „Was, wenn das für immer so bleibt?”
  • “Was, wenn ich nie mehr normal leben kann?”


…dann fühl dich erstmal richtig, richtig fest umarmt!

Und dann möchte ich dir heute mitgeben: DU BIST DAMIT NICHT ALLEIN – UND ES GIBT (Ja, auch für dich) EINEN WEG DA DURCH UND DA RAUS!

Wie sieht dein Leben heute aus?

Lass uns einen Moment vor spulen:

Meine letzte Panikattacke hatte ich vor etwa 6 Jahren. Irgendwann dachte ich ‘Hey, selbst WENN die Panik jetzt wiederkäme, ich glaub, ich könnte mit ihr umgehen und ich weiß, ich würde sie auch wieder überstehen’. Ich wäre im Frieden gewesen mit der nächsten Panikattacke – und dann blieb sie aus.

Inzwischen lebe ich ohne Angststörung – natürlich MIT ganz natürlichen, menschlichen Ängsten und Zweifeln, die voll okay sind und immer zum Leben dazugehören – und begleite Menschen als Mentorin auf ihrem Weg aus der Angst zurück ins Leben.

Also, ja, es gibt da einen Weg und den kann (meiner Meinung nach) jeder lernen und gehen.

Ja, dieser Weg kann wirklich steinig und anstrengend sein, ABER er kann auch wirklich Spaß machen zwischendurch, weil du dich selbst so viel besser kennenlernen und Neues an und in dir entdecken wirst (auch, wenn du das jetzt noch nicht glauben kannst und denkst ‘Ja ne, is klar. Die hat sie nicht mehr alle.’).

UND: DIESER WEG WIRD SICH SOWAS VON LOHNEN!

Auch DU SCHAFFST DAS! 🧡

Zu wissen, dass andere Betroffene mit ihren Ängsten und Sorgen nicht allein sind, kann sehr hilfreich sein. Deswegen möchten wir dich und deine Geschichte vorstellen. Warst du schon mal in einer schwierigen Situation? Was oder wer hat dir geholfen?

Du magst das vielleicht nicht glauben, aber deine Geschichte könnte für andere Gold wert sein – sie könnte einen Wendepunkt in ihrem Leben darstellen.

Schreib uns dafür doch eine kurze E-Mail an kontakt@helpcity.de. Gerne teilen wir deine Story mit den anderen Usern. Ob als Social Media Beitrag, auf der Pinnwand oder auf unserem Helpcity Blog – das darfst du entscheiden. Die Veröffentlichung kann natürlich komplett anonym erfolgen.

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Klinische- und Gesundheitspsychologin Tanja Ladstätter im Interview mit Helpcity

Ich liebe meinen Beruf, weil ich Einblick in unterschiedlichste Lebensweisen bekomme und dadurch selbst einen viel offeneren Blick auf das Leben behalten kann. Sichtweisen, Verhaltensweisen und Möglichkeiten sein Leben zu gestalten, gibt es in so vielen Varianten wie es Menschen gibt. Daher sind auch die „Lösungswege“ für jeden einzelnen so individuell wie er selbst.

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