"Ekelhaft! – dachte ich jedes Mal, wenn ich verheult mein aufgequollenes Gesicht im Spiegel sah."

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Alessa für "Menschen von Helpcity"

Hallo liebe Leute da draußen, ich bin 31 Jahre alt, arbeite als Krankenschwester auf einer Intensivstation und habe einen 7-jährigen Sohn von dessen Vater ich mich 2020 getrennt habe.

Schon in meiner Jugend war das Thema „Figur“ und „Essen“, „Diät-halten“ mir nichts Fremdes. Aber ich war ein Teenager und hatte das Ganze noch ziemlich gut unter Kontrolle. Ca. 2010 habe ich durch Sport und Ernährungsumstellung 6 Kg abgenommen, obwohl ich niemals zu dick war. Aber ich fühlte mich mit weniger Kilos einfach wohler. 2012 begann dann das erste Mal eine Phase in meinem Leben, wo mir die Macht/Kontrolle entglitt und ich anfing zu fressen und zu brechen. Warum genau kann ich rückblickend gar nicht mehr genau erklären.

Als ich dann meinen jetzigen Ex-Freund und Vater meines Sohnes kennenlernte, hörten diese Fressattacken und das damit verbundene Erbrechen schnell wieder auf. Nach kurzer Zeit wurde ich schwanger, ungeplant, mitten im 2. Jahr meiner Ausbildung. Aber diese Umstände haben wir mithilfe unserer Familien gut gemeistert. Und ich bin unfassbar froh und dankbar, ein gesundes, wundervolles Kind auf die Welt gebracht zu haben. Nach der Schwangerschaft war ich natürlich schnell bestrebt mein Gewicht zumindest an den Zustand vor der Schwangerschaft wieder anzupassen. Dies gelang erstaunlich gut mit Disziplin und sportlicher Ausdauer. Es lief immer mal besser und schlechter – normale Schwankungen würde ich sagen.

Anfang 2020, kurz nach der Trennung, fing ich dann mit einer Gruppe Mädels an ein 12-wöchiges Workout durchzuziehen. Ich passte meine Ernährung an, was im Grunde hieß, dass ich maximal im Kalorien- und Kohlenhydratdefizit war. Süßigkeiten, Alkohol oder Junk-Food gab es nicht. Dieser strikte Verzicht zahlte sich aus. Ich war in Top-Form. Bekam ständig Komplimente und wurde in den Sozialen Medien gefeiert für meine Verwandlung. Aber war ich deshalb glücklicher, ausgeglichener, gelassener? Ich glaube nicht, denn im Sommer holte mich ein alter gehasster Begleiter wieder ein. Hello again Bulimia nervosa.

Ich stellte fest, dass ich Unmengen Schokolade, Pizza, Döner, Kuchen etc. in mich reinstopfen konnte und meine Figur schien nicht weiter darunter zu leiden. Aber allmählich stellten sich soziale Isolation, Ermüdungszustände, Gereiztheit und absolute Versagensgefühle ein. Ekelhaft! – dachte ich jedes Mal, wenn ich verheult mein aufgequollenes Gesicht nach dem Kotzen im Spiegel sah. „Morgen mache ich es besser“ schwor ich jedes Mal. Aber das hielt, wenn, immer nur kurzfristig an.

Mittlerweile ist das Essen als tröstender Freund inmitten von Kummer und Selbsthass unersetzbar geworden. Dieser unfassbar starke Drang sich mit Essen, Zucker, Fett zu betäuben lässt mich manchmal wie zu einem Junkie werden. Wie ein Entzügiger laufe ich in der Wohnung oder – noch schlimmer – auf der Arbeit hin und her. Auf der Suche nach etwas essbarem. Und wenn es dann ein Lebensmittel von meiner selbstdefinierten „Verbotsliste“ ist, muss es natürlich auch schnellstmöglich wieder raus. Es gibt Tage, da habe ich mich gut im Griff. Bin beschäftigt, fröhlich, unterwegs mit meinem Sohn und/oder Freundinnen. Dann fehlt mir das Essen nicht. Aber an der Mehrzahl der Tage braucht es nur einen kleinen Auslöser – und schon bricht alles wieder in sich zusammen.

Seit Anfang diesen Jahres habe ich begonnen eine Therapie zu machen. Wirklich besser geworden ist die Bulimie dadurch nicht, es hilft mir aber sehr mit einem kompetenten Menschen darüber zu reden. Ich versuche jeden Tag den Kampf gegen mich selbst zu gewinnen. Und ich bin stolz, wenn ich abends auf der Couch liege, ohne gefressen oder gekotzt zu haben. Ich schätze, ich habe noch einen langen Weg vor mir. Aber ich will und werde darum kämpfen mich selbst wieder lieben zu lernen und meinem Sohn die Mutter zu sein, die er verdient.

Zu wissen, dass andere Betroffene mit ihren Ängsten und Sorgen nicht allein sind, kann sehr hilfreich sein. Deswegen möchten wir dich und deine Geschichte vorstellen. Warst du schon mal in einer schwierigen Situation? Was oder wer hat dir geholfen?

Du magst das vielleicht nicht glauben, aber deine Geschichte könnte für andere Gold wert sein – sie könnte einen Wendepunkt in ihrem Leben darstellen.

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