"Es ist schade, dass Depressionen noch als Faullenzerkrankheit gelten"

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Friederike für Menschen von Helpcity

Eigentlich gehen meine Gründe für meine Depression schon bis in die Kindheit zurück. Immer habe ich viel Ehrgeiz in gute Schulnoten gesteckt. Ich war stolz auf meine guten schulischen Leistungen und Weiterbildungen. Lernen hat mir viel Spaß gemacht. Ich habe mich unbewusst mit meinem Bruder gebattelt, der ins Gymnasium ging und ich in die Realschule. Ich lebe mit dem grundlegenden Gefühl, dass mein Tun zu wenig ist, egal was ich tue. Pausen einlegen, das erreichte zu genießen, ist mir unbekannt. Der Lebensplan ging solange ich gearbeitet habe gut auf. Nach der Heirat habe ich 2 Mädchen geboren. Die Geburt unserer jüngeren Tochter war dramatisch und ich habe mir lange Zeit Gedanken gemacht, ob ihre Entwicklungsschwierigkeiten nach der Entbindung mit der Schwangerschaftsdiabetes zu tun hatten. Jetzt war mein Lebensziel nicht gute Noten zu schreiben, sondern unsere Kinder gute Entwicklung bzw. Schulbildung zu ermöglichen. Da sich bei unserer Jüngeren die Entwicklung erheblich verzögert, war ich mit diversen Therapien Fahrten zusätzlich beschäftigt. Jetzt battelte ich mich mit der Krankenkasse um die besten Möglichkeiten Therapien bezahlt zu bekommen und informierte mich lange bei Google und fuhr zu einigen Ärzten und Kuren.

Mittlerweile hat die Humangenetik uns die Genkombination sagen können, die für die Entwicklungsverzögerung unsere Tochter zuständig ist.

Aber mein Engagement für eine gute Förderung ging weiter und wurde intensiver.

Unsere Tochter ist jetzt in der Pubertät und ist oft schwierig. Ich habe immer noch mit dem Glauben gelebt, dass ich als Mutter nur den Schalter beim Kind finden muss, damit es lachend aus der Schule heimkommt und nicht mich mit vielen Fragen und Unsicherheiten konfrontiert. Aber den Schalter habe ich nicht gefunden. Ich habe mich sehr hineingesteigert und große Angst um die Zukunft unserer Tochter entwickelt und die Frage was aus mir wird, wenn sie zur Ausbildung außer Haus geht. Der mentale Stress hat meine Hormone derart durcheinandergebracht, dass ich nachts aufgewacht bin und nicht mehr einschlafen konnte.
Ich stand Frühs auf, war aber gleich wieder müde und ging verpeilt durch den Tag und froh, wenn es Zeit zum Mittagessenkochen war. 4 Monate nach der ersten durchwachten Nacht, kam Schüttelfrost dazu und ich habe mich ins Bezirkskrankenhaus einweisen lassen. Das Gefühl nichts mehr mit der Zeit anzufangen zu wissen, die man hat, war mir befremdlich. So viel Zeit zu haben und keine Ideen sie zu nutzen, war für mich unvorstellbar. Mir wurde gesagt, dass ich sehr leistungsorientiert denke und das Genießen lernen soll und am Leben zu erfreuen.

Jetzt versuche ich Multitasking zu vermeiden, versuche mich von den Befindlichkeiten unserer Tochter abzugrenzen und bin froh, dass das Arbeitsamt die Entscheidung für ihre Ausbildungszukunft übernimmt. Sie geben Empfehlungen für die Bezahlung ihrer Ausbildung in einer Förderberufsschule und ich habe das Gefühl, das ist ein guter Weg.

Die ganze Zeit hat es mich gestört, wenn ich etwas in der Familie vorgeschlagen habe, dass mir alles Mögliche an Einwänden gegenüberstand. Jetzt schmunzele ich darüber, kämpfe nicht mehr dagegen und finde es lustig, was alles für Gründe gegen meinen Vorschlag gibt. 

Ich bin froh, dass mir das Lesen von Büchern und Schreiben von Blogbeiträgen wieder große Freude macht. Neben dem Zweifel, dass die Medizin wirklich gut wirkt, habe ich noch das dumpfe Gefühl wie mein Leben weitergeht, wenn die Tabletten abgesetzt werden.

Es ist schade, dass Depressionen noch als Faullenzerkrankheit gelten und Arbeit die beste Therapie dagegen gilt. Da habe ich in meinem Bekanntenkreis nur von Schlafproblemen und Wechseljahre Beschwerden gesprochen. Wer nicht selbst in einer Depression war, kann nicht nachvollziehen, wie man sich da fühlt und verletzt eher als tröstet.

Aus dem Grund finde ich die Gruppe von Helpcity eine gute Möglichkeit sich an Menschen zu wenden, die mit dem Krankheitsbild Depressionen Erfahrungen haben und die richtigen Worte finden und aus eigenen Erfahrungen weitergeben können. Momentan hilft es mir zu meditieren oder am Keyboard zu spielen. Radfahren und Spazierengehen sind hilfreiche Bausteine in meinem Alltag. Auch habe ich mit dem Dankbarkeitstagebuch meine Sicht auf mein Leben zu einem Abenteuer statt einem Trauertal gewandelt.

Zu wissen, dass andere Betroffene mit ihren Ängsten und Sorgen nicht allein sind, kann sehr hilfreich sein. Deswegen möchten wir dich und deine Geschichte vorstellen. Warst du schon mal in einer schwierigen Situation? Was oder wer hat dir geholfen?

Du magst das vielleicht nicht glauben, aber deine Geschichte könnte für andere Gold wert sein – sie könnte einen Wendepunkt in ihrem Leben darstellen.

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