Posttraumatische Belastungsstörung - Teil 2

Claudia Rickmann

Claudia Rickmann

Dipl. Sozialarbeiterin, Autorin, systemische Beraterin und Helpcity Mentorin

Wie lässt sich eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) behandeln und wie geht man als Betroffener damit um?

In den meisten Fällen muss eine PTBS durch eine Therapie behandelt werden, häufig ist eine medikamentöse Behandlung bei der betroffenen Person notwendig, damit sie wieder zur Ruhe kommt und um die Anspannung zu reduzieren. Manchmal ist eine stationäre psychiatrische oder psychosomatische Klinikbehandlung notwendig, damit sich eine Person aus psychosozialer Sicht stabilisieren  und wieder zu sich selbst zu finden kann. Bei einem Trauma und einer dadurch ausgelösten PTBS ist die Persönlichkeit der betroffenen Person häufig gespalten. 

Daher kann es manchmal unabdingbar sein, dass man sich das Trauma gemeinsam mit

einem Psychotherapeuten anschaut, um neue Bewältigungsstrategien zu finden.

Es gibt folgende Therapiemethoden um eine PTBS aufzulösen und zu behandeln:
  1. a) tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie (=TP):

Im Gegensatz zur klassischen Psychoanalyse Psychotherapie arbeitet der Therapeut in der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie mit dem Patienten an Erlebnissen, möglichen Konflikten und dysfunktionalen Verhaltensweisen im Hier und Jetzt und nicht in der Vergangenheit. Unbewußte verdrängte Themen oder Erfahrungen aus der Kindheit, die den Patienten in seinem Alltag beeinträchtigen, werden an die Oberfläche geholt, um aktiv an alltagstauglichen und konkreten Skills und Tools gemeinsam mit der Person zu arbeiten.

Der Schwerpunkt der TP liegt auf der Bearbeitung von aktuellen Lebensereignissen (z. B. problematische Beziehungsgestaltung zu Bezugspersonen). Diese werden mit dem Psychotherapeuten angeschaut, bearbeitet und verändert. 

Beispiel: Eine Person leidet unter einer traumatischen Bindungserfahrung und Bindungsstörung, wiederholt in seinen Beziehungen frühkindliche Bindungsmuster, durchlebt immer wieder seine Verlassenheits-und Verlustangst in Beziehungen, sucht sich narzisstisch-toxische Partner:innen, die ihm durch eine On-Off-Beziehung schaden und kann sich dennoch nur schlecht aus toxischen Beziehungen lösen, da er eine solche Bindungserfahrung in seiner Kindheit mit einem Elternteil erlebt hat. Prägnant für eine traumatische Bindungsstörung ist, dass die betroffene Person häufig nicht von toxischen Menschen ablösen und nicht loslassen kann. Wie in der Vergangenheit versucht die Person das uralte Bindungsmuster dahingehend aufzulösen dass er ein mögliches Verlassenwerden von einem Menschen / Beziehungspartner  zu vermeiden, was jedoch immer wieder scheitert. Dies hinterlässt tiefe Enttäuschung und sogar innere Verzweiflung. Was betroffene Personen an toxischen Menschen bindet ist das Traumabonding, welches ihm aus seiner Kindheit seit Jahren bekannt ist. Gemeinsam mit dem Therapeuten oder Berater bzw. Coach bearbeitet der Person seine negativen Glaubenssätze und dysfunktionalen Bewältigungsstrategien.

  1. b) Die kognitive Verhaltenstherapie (VT):

Die klassische Verhaltenstherapie nutzt die Modelle des klassischen und operanten Konditionierens. Die Verhaltenstherapie geht davon aus, dass erlernte Verhaltensmuster wieder verlernt werden können.Viele ungünstige Verhaltensweisen hat der Mensch bereits in früher Kindheit erlernt und wiederholt diese meist im Erwachsenenalter. Eine wesentliche Methode der   Verhaltenstherapie ist die kognitive Umstrukturierung (d.h. dem bewußten Verändern von negativen Glaubenssätzen und Gedankenmustern), die Expositions-und Konfrontationsmethode (d.h. man geht „rein in die Angst“ und stellt sich bewußt der angstauslösenden Situation, vor der man sich fürchtet, wobei diese Situation bewusst in einem geschützten therapeutischen oder beratenden Setting thematisiert wird).

Die Verhaltenstherapie arbeitet im Hier und Jetzt, würdigt aber auch die Vergangenheit und Biographie einer betroffenen Person, häufig schließt diese sogar an eine tiefenpsychologische Behandlung an. Die Verhaltenstherapie integriert auch Entspannungstechniken und positive Affirmationen in die Behandlungsmethode, um seelischen Stress zu reduzieren.

Die Verhaltenstherapie wird auch häufig bei affektiven Störungen wie z. B. rezidivierenden Depressionen, Persönlichkeitsstörungen (z.B. Borderline Persönlichkeitsstörung) oder bei psychosomatischen Erkrankungen (z. B. Schmerzerkrankungen) eingesetzt. Auch hinter organischen Erkrankungen können manchmal verdrängte Traumata stehen.

  1. c) EMDR= Traumatherapie=Eye Movement Desensitization Reprocessing)

Bei dieser Art der Traumatherapie ruft sich der Patient traumatische Erlebnisse in Erinnerung. Während die belastenden Emotionen und Gedanken beim Patienten auftauchen, richtet er seine Aufmerksamkeit zugleich auf die Hand des Psychotherapeuten, die dieser nach links und rechts führt. Die betroffene Person hält den Kopf ruhig und bewegt nur die Augen. Es wird angenommen, dass durch die Augenbewegungen beide Gehirnhälften stimuliert und dadurch ein wichtiger Informationsverarbeitungsprozess angestoßen wird.

 Alltagstipps für Personen mit einer PTBS
  • Es ist kein gesellschaftliches Stigma sich einzugestehen, dass man sich manchmal aus seelischer Sicht geschwächt und überfordert fühlt
  • wichtig ist es sich überschaubare und kleine Ziele zu setzen
  • Du musst selbst entscheiden, wann und ob du dem Trauma aus professioneller Sicht auf den Grund gehst oder nicht
  • den Tag strukturieren, soziale Kontakte pflegen, wiederkehrende feste Rituale in den Alltag integrieren
  • Sich selbst gegenüber geduldig sein und Selbstmitgefühl entwickeln
  • Manche Traumata manifestieren sich häufig erst nach einigen Jahren:  versuche einschätzen, woher traumatische Gefühle stammen und wodurch diese ausgelöst werden
  • für positive und angenehme Freizeitaktivitäten sorgen, wo du dich entfalten kannst 
  • Bewegung und Sport setzen Endorphine frei
  • Suche das Gespräch mit der Familie und mit Freunden, man braucht ein soziales Netzwerk, wo man sich verstanden und akzeptiert fühlt, Wertschätzung und Respekt sind besonders wichtig für PTBS-Patienten
  • Trotz des hohen seelischen Leidensdrucks nicht den Humor verlieren, Lachen kann auch heilsam sein
  • Führe ein Erfolgstagebuch und notiere jedes noch so kleine Erfolgserlebnis und Glücksmoment
  • Überfordere dich nicht und konzentriere dich auf das Wesentliche und setze Grenzen, wenn Menschen zu viel von dir abverlangen, lernt eure individuellen Bedürfnisse kennen (was brauche ich aktuell und welche Bedürfnisse habe ich?)
  • Entwirf einen Notfallplan: Psychiatrische Kliniken verfügen über eine Traumaambulanz, lass dich auch begleiten durch Beratungsstellen vor Ort
  • Manchmal ist auch eine medikamentöse Behandlung mit Antidepressiva erforderlich, such dir einen Facharzt für Psychiatrie, der dich medikamentös gut einstellen kann, sofern du das möchtest
  • Schau nach vorne, Vergangenes ist vergangen, lebt in der Gegenwart und gönn dir viel Gutes

Das könnte dich auch interessieren:

Posttraumatische Belastungsstörung Teil 1

Eine Posttraumatische Belastungsstörung kann durch ein einzelnes sehr belastendes Ereignis aber auch in Folge mehrerer belastender Vorkommnisse von außergewöhnlichem Umfang (z. B. durch einen Unfall, eine Gewalttat, Folter, Krieg, sexualisierte und emotionale Gewalt oder durch schwere frühkindliche Traumata) entstehen.

Mehr »

Posttraumatische Belastungsstörung Teil 3

Auch nach einem durchlebten schweren Trauma und damit verbundenen Rückschlägen kann das Individuum an schweren Krisen reifen und im positiven Sinne gestärkt daraus hervorgehen.

Mehr »

Posttraumatische Belastungsstörung Teil 2

In den meisten Fällen muss eine PTBS durch eine Therapie behandelt werden, häufig ist eine medikamentöse Behandlung bei der betroffenen Person notwendig, damit sie wieder zur Ruhe kommt und um die Anspannung zu reduzieren.

Mehr »