Trauer nach einer Fehl- oder Todgeburt – Was dir jetzt helfen kann

Es ist ein unglaublich tragisches Ereignis, das die Welt der ganzen Familie erschüttern kann. Von dem Moment an, in dem eine Frau von ihrer Schwangerschaft erfährt und diese gute Nachricht wahrscheinlich bereits ihrem Partner mitteilt, bereitet sie sich mental auf ihr Baby vor. Sie war schon Mutter, bevor ihr Kind geboren wurde. Ebenso ist der Mann bereits Vater, während seine Partnerin den Fötus trägt. Befindet sich die Schwangerschaft bereits im fortgeschrittenen Stadium, sind die Eltern nicht nur innerlich mit dem Familienzuwachs verbunden, sondern treffen auch externe Vorbereitungen für das Baby (z.B.  Kinderwagen kaufen etc.). Die Nachricht, dass der Fötus im Mutterleib nicht überlebt hat, kommt ohne Vorankündigung.

Lasse die Trauer zu

Wenn eine Fehlgeburt diagnostiziert wird, bricht für schwangere Eltern die Welt zusammen. Wenn der Kinderwunsch sehr stark ist, ist dieser Schicksalsschlag besonders schwer, wenn der Weg bis zur Schwangerschaft lang war. Tiefe Traurigkeit, Hilflosigkeit, Angst und Wut bestimmen die Gefühlswelt. Das ist normal und völlig verständlich. Verzeihe dir diese Gefühle und versuche nicht, sie zu unterdrücken. Wenn du weinen musst, dann weine. Wenn du schreien willst, schrei. Nur so kannst du dich langfristig befreien und mit deiner Trauer umgehen. Im Allgemeinen ist dies ein sehr individueller Prozess.

Einige Frauen haben den Verlust des Kindes bereits nach einigen Wochen verarbeitet, während es bei anderen Monate dauern kann. Nimm dir auf jeden Fall die Zeit, die du brauchst. Bei neuen Schwangerschaften ist es auch wichtig, Fehlgeburten so gut wie möglich zu behandeln. Denn eine so große emotionale Belastung kann auch einen weiteren Risikofaktor für eine Fehlgeburt bedeuten.

„Es ist völ­lig rich­tig und wich­tig, dass eine Frau nach dem Ver­lust ei­nes un­ge­bo­re­nen Ba­bys trau­ert“, er­läu­tert Dr. med. Chris­ti­an Al­bring, Prä­si­dent des Be­rufs­ver­ban­des der Frau­en­ärz­te. „Da­bei ist es ganz gleich, ob es sich um ei­nen Ab­ort in der frü­hen Schwan­ger­schaft ge­han­delt hat oder um eine spä­te­re Fehl­ge­burt. Im­mer fühlt die Frau den Ver­lust ei­nes Le­bens, und fast im­mer wird sie auch in spä­te­ren Jah­ren ab und zu an die­ses Kind den­ken, selbst wenn an­de­re Schwan­ger­schaf­ten glück­li­cher ver­lau­fen sind. „

Die Rückkehr in den Alltag nach einer Fehlgeburt kann ein steiniger Weg sein. Der Verlust einer Schwangerschaft beschäftigt Frauen oftmals ihr ganzes Leben lang. Viele Frauen werden die Vorwürfe nicht los, etwas falsch gemacht zu haben und den Tod ihres Babys teilweise zu verschulden.

Eine verantwortliche Person finden zu wollen, ist eine typische Reaktion in der ersten Schockphase nach dem Verlust eines Kindes. Wenn man sich keine Vorwürfe macht, ist es meist ein Arzt oder eine Hebamme, denen ein mögliches Fehlverhalten oder Fehlentscheidungen vorgeworfen werden. All diese Reaktionen sind verständlich, aber auf Dauer nicht zielführned im Traurigkeitsprozess. Manchen Eltern ist es wichtig, möglichst genau die Ursache für den Verlust des Kindes zu klären.

In Gesprächen mit Krankenhausärzten und ihren Geburtshelfern und Gynäkologen können betroffene Eltern medizinische Gründe für den Tod ihres Kindes finden. Oft ist es ein genetischer Defekt, eine Fehlbildung, eine Entwicklungsstörung, eine hormonelle Störung, ein Plazentaproblem oder eine Infektion (z. B. Listerien), die ein Kind am Überleben hindert. Obwohl unter Schock kaum zu fassen, ist eine kompetente und professionelle Aufklärung über die Todesursache für Eltern sehr wichtig. Wissen hilft, den Verlust zu akzeptieren, egal wie schmerzhaft er sein mag.

Mehr als jede dritte Schwangerschaft überlebt die ersten 12 Wochen nicht

Das bedeutet, dass jede dritte Schwangere ihre Schwangerschaft innerhalb der ersten Wochen verliert.

„Es hilft, wenn Frau­en sich die­ser Tat­sa­che und dass es kei­ne Ga­ran­tie für eine glück­li­che Ge­burt gibt, be­wusst sind“, so Al­bring. „Dann wird der Ver­lust nicht so sehr als per­sön­li­ches Ver­sa­gen er­lebt, son­dern um­ge­kehrt je­der gut ge­lau­fe­ne Tag der Schwan­ger­schaft als Er­folg und Ge­schenk.“

Wenn die Schmerzen oder Schuldgefühle jedoch so stark werden, dass du dich deprimiert fühlst, solltest du unbedingt die Hilfe eines Psychologen oder einer anderen Fachkraft suchen. Anzeichen einer Depression können anhaltende Schlaflosigkeit oder Appetitlosigkeit und Unwohlsein sein. Wenn du nach einer Fehlgeburt lange Zeit keine Freude empfinden kannst, kann dies auf eine Depression hindeuten.

„Man­che Frau­en sind vor al­lem nach lang­jäh­ri­gem Kin­der­wunsch sehr schwer be­trof­fen, las­sen sich bo­den­los in die Trau­rig­keit fal­len und ge­hen in der Schwär­ze ei­ner De­pres­si­on ver­lo­ren. An­de­re Grün­de kön­nen sein, dass die Frau sich die Schuld für die Fehl­ge­burt gibt, oder dass sie ihr ei­ge­nes Le­ben so sehr an die­se eine Schwan­ger­schaft ge­knüpft hat, dass sie kei­ne Zu­kunft mehr für sich selbst sieht. Eine Ge­sprächs­the­ra­pie kann in die­ser Si­tua­ti­on nütz­lich sein, da­mit die Frau nach ih­rem Baby nicht auch noch sich selbst ver­liert“, so der Rat­schlag des Frau­en­arz­tes.

Abschied nehmen

Trauerbegleiter:innen sind sich einig: In jedem Fall sollte den Eltern Gelegenheit gegeben werden, sich angemessen von ihrem verstorbenen Kind zu verabschieden. Die Form, die dieses Abschieds, hängt von der Situation ab. Dabei spielt das Verhalten des Geburtsteams eine große Rolle. Eltern müssen über die bevorstehenden Entscheidungen aufgeklärt werden, die im Falle einer Fehl- oder Totgeburt getroffen werden. Es ist wichtig, dass sich Eltern in diesem diffusen Schmerzzustand orientieren können.

Die Hebamme oder der Arzt bespricht den Geburtsverlauf, Möglichkeiten und Alternativen und bespricht mit den Eltern die Risiken. Zudem sollte den Eltern idealerweise beigebracht werden, welche Entscheidungen wie lange dauern. Als nächstes wird gemeinsam entschieden, was nach der Geburt zu tun ist.

  •  Möchten die Eltern das Baby sehen und halten?
  • Gibt es jemanden im Kreißsaal, der Fotos machen kann oder wird ein Sternenkindfotograf/eine Sternenkindfotografin hinzugezogen?
  • Wünschen die Eltern eine Namensgebung, eine Segnung, eine Taufe? Soll eine Autopsie gemacht werden?
  • Sollen Familienmitglieder/Geschwisterkinder das Baby „kennenlernen“?
  • Wird es ausreichend Zeit für die Eltern geben, das Baby zu halten, zu berühren, zu baden oder für die Beerdigung einzukleiden (z.B. mit speziell genähtem Gewand für Sternenkinder)?
  • Möchten die Eltern ihrem Kind etwas auf seinen letzten Weg mitgeben?


Die Definition dieses Rahmens ist ebenso schmerzhaft, wie nötig. So können sich Eltern von einer realen Person, dem Baby, verabschieden. Erinnerungsstücke helfen auch den Hinterbliebenen, ihre Erinnerungen zu bewahren. Das können Hand- und Fußabdrücke, Fotografien oder eine Locke des Kindes sein.

Zeit für den nächsten Schritt

Irgendwann stellt sich die Frage, wenn der Schmerz nachlässt und die Trauer weitgehend abgeklungen ist:  Sind wir bereit, es noch einmal zu versuchen?

Das Paar sollte sich sicher sein, dass es diesen Schritt wagen möchte. Wenn diesmal alles gut geht, sollten beide optimistisch sein. Negative Emotionen und Ängste können die Schwangerschaft beeinträchtigen. Es wird geraten, dass gerade in der Schwangerschaftsvorsorge auf einfühlsame und erfahrene Hebammen gesetzt wird. Doch selbst wenn die Schwangerschaft komplikationslos verläuft, werden Eltern ihr verstorbenes Kind nicht ganz vergessen. Doch das muss das Familienleben nicht beeinträchtigen – dafür sorgt der Nachwuchs meist schon selbst.

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