Die Kunst der Selbstliebe und der Selbstfürsorge: sich selbst Gutes tun!

Claudia Rickmann

Claudia Rickmann

Dipl. Sozialarbeiterin, Autorin, systemische Beraterin und Helpcity Mentorin

Es ist für die eigene Psychohygiene sehr wichtig, gut für sich selbst zu sorgen und gut zu sich selbst zu sein. Menschen, die gut auf sich selbst, ihre Wünsche und Bedürfnisse aber auch ihren seelischen Energiehaushalt achten, leiden weniger an Depressionen und an Ängsten. Sie haben außerdem eine hohe Resilienz um besser mit Lebenskrisen umgehen zu können.

Vielen Menschen fällt es sehr schwer gut für sich selbst zu sorgen und auf sich selbst zu achten und Rücksicht auf ihre eigenen Wünsche zu nehmen. Bei ihnen äußert sich häufig der innere Kritiker und sie machen sich selbst häufig sogar noch nieder oder entwerten sich selbst. Sie achten auch nicht darauf, wenn ihr Körper ihnen signalisiert, dass ihr Körper Ruhe benötigt, wenn sie sich selbst erschöpft und überfordert fühlen.

Selbstliebe und Selbstfürsorge bewahren uns vor Depressionen und vor Burnout, stabilisieren das seelische Gleichgewicht und verhindern, dass man sich selbst völlig verausgabt. Menschen die über wenig Selbstliebe und Selbstfürsorge verfügen, können in schmerzhaften Lebenssituationen wenig Selbstmitgefühl fühlen und sie vernachlässigen häufig auch ihre eigenen Bedürfnisse.
In prekären Lebenslagen sprechen sie sich selbst keinen Mut zu und sie haben manchmal negative Glaubenssätze die häufig aus der Kindheit stammen. Sie geben sich selbst keine Wärme und keine Zuwendung. Stattdessen kümmern sie sich meistens bis zur völligen Erschöpfung um andere Menschen.

In der Kindheit haben sie die Stimmen der Bezugspersonen internalisiert die ihnen sagen, dass man sich immer um andere Menschen kümmern sollte als um sich selbst. Sie haben auch gelernt dass sie nicht gut genug sind, leiden unter häufigen Selbstvorwürfen und starken Selbstzweifeln welches ihr Selbstwertgefühl eklatant beeinträchtigt. Sie können sich selbst nicht annehmen und setzen sich selbst oft unter massiven Leistungsdruck nach der Devise „Ich bin es nur wert, geliebt zu werden wenn ich etwas leiste“.

Menschen mit wenig Selbstliebe leiden bis ins hohe Alter an pessimistischen Gedanken, die auch negative Erfahrungen nach sich ziehen. Dabei kann ein liebevoller Umgang mit sich selbst den ganzen Tag im positiven Sinne verändern. Dabei könnte z. B. eine kognitive Verhaltenstherapie hilfreich sein, wo durch die Methode der kognitiven Umstrukturierung negative  Gedanken und ein negatives Selbstbild transformiert werden, um mehr positive Energie freisetzen und die innere Balance zu stärken. Man sollte sich bewusst machen, dass das Leben sehr kurz ist und dass jeder Augenblick wo man glücklich ist auch das Selbstbewusstsein aufbaut.

Glücksmomente verleihen einem Menschen eine glückliche Ausstrahlung und man strahlt von innen heraus. Man kann einem anderen Menschen dann auch viel Liebe und Zuneigung geben wenn man selbst kraftvoll gestimmt ist. Mangelnde Selbstliebe und ein beeinträchtigtes Selbstwertgefühl können ihren Ursprung bereits in der frühen Kindheit haben, wenn ein Individuum in den ersten Kindheitsjahren stets von den Eltern abgelehnt wird und keine Bestätigung erfahren hat. So besitzt der Mensch oft auch im Erwachsenenalter kein stabiles Selbstwertgefühl.

Wer als Kind von seinen Bezugspersonen viel Liebe und Anerkennung erfahren hat, wird auch im Erwachsenenalter über eine hohe Resilienz verfügen um gegenüber Krisen gewappnet zu sein. Es ist nie zu spät, Selbstliebe und Selbstfürsorge zu erlernen. Selbstliebe ist aber nicht mit gnadenlosem Egoismus gleichzusetzen und bedeutet nicht rücksichtslos zu agieren.

Was kannst du also tun damit du in ein seelisches Gleichgewicht kommst und glücklicher wirst?

1) Baue dir selbst Rituale der Selbstliebe und kleine Oasen der Selbstfürsorge in deinen Alltag ein, z. B. erfreue dich an den kleinen und schönen Momenten des Lebens wie z. B. jeden Tag einen Spaziergang in die Natur unternehmen, sich in die Sonne setzen, Sport treiben und dich deinen Hobbies widmen. Tu Dinge die dich entspannen, koche dir selbst etwas Leckeres, kaufe dir etwas Schönes, gehe in Ihr Lieblingsrestaurant, gönne dir selbst einen duftenden Strauß Blumen, triff dich mit Menschen die dir guttun und unternimm Aktivitäten nach einem anstrengenden Arbeitstag die deinen seelischen Akku wieder aufladen.

2) Mache kleine Kurzurlaube, denn auch ein kurzer Tapetenwechsel kann sehr wohltuend sein. Mache Ausflüge, führe ein Dankbarkeits-und Erfolgstagebuch, wo du jeden Tag hineinschreibst, was dir an diesem Tag heute gut gelungen ist, was am heutigen Tag schön war und was du geschätzt hast. Akzeptiere auch die schlechten Tage nach der Devise: “Nach Regen kommt Sonne“.Man kann nicht jeden Tag glücklich sein. Schaffe dir positive sowie stärkende Alltagsrituale und zelebriere diese inspirierenden Alltagsmomente (z.B. morgens die Tasse Kaffee genießen, ein schönes Bad nehmen, ins Fitnessstudio gehen, Tanzen, sich gesund ernähren und ausreichend Schlaf bekommen)

3) Notiere dir, was du an dir selbst magst und mache dich frei von dem Druck, perfekt sein zu müssen, nobody is perfect. Setz dir erreichbare und überschaubare Ziele und mache kleine Schritte um etwas zu erreichen. Du musst nicht immer zur Höchstform auflaufen. Schau auf das was du kannst, was du alles in Ihrem Leben geschafft hast und dass du bereits viele schwierige Lebenssituationen erfolgreich bewältigt hast

4) Höre deine Lieblingsmusik denn dadurch kommst du  in Schwung, beginne deinen Tag auch mit Ruhe und etwas Positivem. Lies aufbauende Bücher und schaue sich stärkende Videos z. B. bei YouTube an oder höre positive Podcasts

5) Mach das, was du schon immer tun wolltest, z. B. eine Fremdsprache lernen, neue Freizeitbeschäftigungen finden, eine Reise machen

6) Du bist der wichtigste Mensch in deinem Leben. Mach dir eine Ziele-und Wunschliste. Nur wenn du dich selbst liebst,  kannst du auch andere Menschen lieben oder anderen helfen. Mach dir bewusst, welche Bedürfnisse und welche Sehnsüchte du hast. Wichtig ist es mit sich selbst im Reinen zu sein. Steh  für dich ein, auch wenn dies möglicherweise Konflikte zur Folge haben könnte oder Menschen sich aus deinem Leben verabschieden. Behandle dich selbst mit Respekt und mit Selbstwertschätzung und sabotiere dich selbst nicht

7) Versuche auch in schwierigen Zeiten die Zuversicht, die Gelassenheit und die Lebensfreude zu kultivieren. Akzeptiere die Dinge, die du nicht ändern kannst (Beispiel: wenn du deine Traumstelle nicht bekommst, dann schimpfe nicht mit dir selbst sondern sage dir, dass eine neue berufliche Chance kommt). Nimm an, was gerade ist. Auf manches hat man keinen Einfluss und rege dich nicht über Nebensächliches auf.

8) Vergleiche dich nicht permanent mit anderen, denn dann bremst du dich aus. Du bist einzigartig. Du hast dein eigenes Tempo und deinen eigenen Rhythmus

9) Ohne ein stabiles Selbstbewusstsein hat man auch häufig kein Gefühl für die eigenen Grenzen und zieht die falschen Menschen in sein Leben oder führt unbefriedigende Beziehungen

10) Akzeptiere deine Stärken und Schwächen und sieh auch in Lebenskrisen die Chance, daran zu reifen und zu wachsen. Lerne daraus, wie du es beim nächsten Mal besser machen kannst. Wage Neues, auch wenn das Risiko besteht, dass du scheitern könntest (z. B. dir eine neue Anstellung suchen, wenn der derzeitige Job unbefriedigend ist). Du bist der Akteur deines Lebens und deines Lebensskripts. Sei achtsamer gegenüber deinen Energieressourcen und deiner Lebenszeit

11) Suche die Selbstliebe nicht bei anderen Personen und mache dir bewusst, dass du gut bist so wie du bist

12) Wer sich selbst liebt, strahlt das nach außen aus. Man wirkt authentischer und zieht damit auch positive Menschen in sein Leben

13) Achte auf Warnsignale deines Körpers. Dein Körper aber auch spezielle Erkrankungen spiegeln sich wider, wenn du völlig erschöpft oder ausgelaugt bist (Beispiel: Arbeiten bis zum Umfallen, nur um anderen zu gefallen und am Ende hat man keine Kraft mehr für sich selbst). Manche Erkrankungen können psychosomatischer Natur sein und zeigen dir häufig auf, wenn etwas in deinem Leben falsch läuft. Starke körperliche Symptome können ein Alarmsignal dafür sein, dass du dich vielleicht permanent überforderst und nicht gut auf deine Energien achtest und dass du auch Aus-Zeiten benötigst.

14) Ohne Selbstliebe suchen wir häufig die Anerkennung bei anderen und tun Dinge, um es anderen Personen recht zu machen. Stehen wir nicht für unsere eigenen Wünsche ein, verlieren wir uns selbst, halten an toxischen Menschen fest die uns nicht guttun. Erst wenn du dich selbst für liebenswürdig hältst, wirst du auch von anderen Menschen respektiert und wertgeschätzt

15) Verbieg oder verleugne dich nicht bis zur völligen Unkenntlichkeit. Du bist einzigartig und wertvoll so wie du bist. Lobe dich selbst regelmäßig und lerne  auch, Nein zu sagen

16) Besuche Workshops und Seminare zu den Themen Selbstliebe, Selbstfürsorge und Selbstbewusstsein, wo du Selbstliebeübungen durchführen kannst und alltagstaugliche Tipps erhältst. Hilfreich kann auch eine kognitive Verhaltenstherapie sein wo du gemeinsam mit dem Therapeuten oder  der Therapeutin im therapeutischen Setting reflektierst, was du in diversen Lebenssituationen verändern und wie du trainieren kannst, wie du dich anders verhältst. Das Leben ist wie ein Übungsfeld wo du lernen kannst.

17) Wenn du dich in einem Dauergrübel-Teufelskreislauf befindest, sage dir bewusst „Stopp“, denn Grübeln kostet zu viel Energie und Kraft und ist nicht zielführend. schaffe dir eine entspannende Abendroutine wo du zu innerer Ruhe gelangst

18) Durch Meditation kannst du lernen den Stürmen des Lebens gelassener zu begegnen und auch loszulassen von toxischen Menschen, toxischen Erfahrungen und mit Vergangenem abzuschließen, aber auch limitierende Glaubenssätze aufzulösen. Lebe im Hier und Jetzt und nicht permanent in der Vergangenheit

19) Lass dich nicht schlecht von anderen Menschen behandeln und sage klar und bestimmt, was du nicht akzeptierst. Lerne Nein zu sagen und sich abzugrenzen, sonst wirst du herumgeschubst und nicht respektiert

20) Riskiere auch etwas, denn das Leben ist nicht ohne Risiko und habe keine Angst vor einem möglichem Scheitern

21) Wenn es dir schlecht geht, du enttäuscht oder verletzt bist oder dich in einer schweren Lebenskrise befindest, scheuen dich nicht professionelle Hilfe anzunehmen (z. B. eine Psychotherapie durchführen) oder dir eine Selbsthilfegruppe zu suchen, wo Sie Tools erlernen, besser mit diffizilen Lebensproblemen umzugehen

22) Betäube dich nicht mit Alkohol oder Drogen, wenn du schmerzhafte Gefühle oder innere Trauer spürst, auch enttäuschende Gefühle wollen gefühlt und gelebt werden bevor sie gehen können, denn auch diese gehören zum Leben, ebenso wie Stolpersteine

23) Mache dir eine To-Do-Liste damit du einen Überblick darüber hast, was du erledigen musst

25) Gönne dir Momente, wo du einfach nichts musst, lass einfach die Seele baumeln

26) Verliere auch nicht deinen Humor und auch nicht deine Träume. Mache aus allem das Beste und atme tief durch bei neuen Herausforderungen. 

27) Lass Vergangenes Vergangenheit sein, denn auch zurückliegende Erfahrungen sind geschehen und lassen sich nicht mehr ändern. Stelle dich auch bewusst deinen Ängsten und Befürchtungen, vieles wird gar nicht mehr so schlimm sein wie man vielleicht befürchtet

28) Hör auf zu klagen und dich zu beschweren, denn das wirkt sich ungünstig auf deine individuelle Ausstrahlung aus und verschreckt vielleicht einige Menschen

29) Erstelle eine Zufriedenheitsskala für die verschiedenen Lebensbereiche Gesundheit, Beruf, Partnerschaft oder Finanzen und entwickle  lösungsorientierte Schritte, um zu deinen Zielen zu gelangen, damit sich dein Leben zum Positiven verändert. Werde aktiv und verharre nicht in Lethargie. Tröste dich aber auch, wenn du etwas nicht geschafft hast. Habe auch einen wohlwollenden Blick auf deine Persönlichkeit

30) Schreib dir selbst einen Liebesbrief, auch wenn dieser Tipp befremdlich klingt. Was liebst du an dir selbst, wodurch bist du einzigartig und was macht dich wirklich aus?

Die Mentor:innen von Helpcity können helfen wieder zur inneren Mitte zu gelangen.

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